| "Der Traum von Schwarz-Rot-Gold" |
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| Geschrieben von: Westfälische Nachrichten |
| Donnerstag, den 10. März 2011 um 19:41 Uhr |
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Es ist Mittwoch, 18 Uhr. Im Olympiastützpunkt Heidelberg warten zwölf Jugendspieler des Handballverbands Westfalen auf das Startsignal für den bevorstehenden Shuttle-Run-Test. Aus den Boxen in der Halle ertönt ein schneller werdendes Piepen, in dem Zeitraum zwischen zwei Tönen müssen die Spieler von einer zur anderen Seitenlinie gelangen. Wer das zwei Mal in Folge nicht schafft, scheidet aus. Unter den Augen der DHB-Trainer Christian Schwarzer, Heiko Karrer, Klaus-Dieter Petersen, Christoph Armbruster und Gast-Sichter Armin Emrich kämpfen sich unter anderem Sven Frey und Justus Clausing mit Pulskontrolle durch den Konditionstest und lassen anschließend ihre Laktatwerte notieren. Die beiden Nachwuchshandballer vom ASV Senden sind zwei der insgesamt 120 Spieler, die in der vergangenen Woche in Heidelberg als Kandidaten für die neue Jugendnationalmannschaft des Jahrgangs 1995 gesichtet wurden. Die Konkurrenz ist groß. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) müssen die Nachwuchshandballer der zehn südlichen Landesverbände nach dem Shuttle-Run am ersten Tag noch einen 20-seitigen Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit ausfüllen, dann geht es zu Bett in die nahe gelegene Jugendherberge. Am zweiten Tag müssen sich die Westfalen morgens ab 9 Uhr den sportmotorischen Tests stellen. Nachmittags finden die ersten Mannschaftsspiele des Ländervergleichsturniers statt. Westfalen muss sich nach zwei Mal 20 Minuten vor den Augen von Schwarzer und Karrer knapp dem späteren Turnierfinalisten vom Niederrhein beugen. Nach einer Computer-Überprüfung des Taktikverständnisses holen die von Jörn Uhrmeister, Sandra Rother und Mareike Flack betreuten Westfalen einen Sieg gegen das Saarland, bevor es - platt vom langen Tag - zurück zur Jugendherberge geht. Lange Zeit zum Entspannen haben die Jungen nicht. Freitags um neun Uhr warten aufblasbare Abwehrspieler in der großen Halle des Olympiastützpunktes. Es folgen Trainingseinheiten und Schulungen für das Angriffsspiel unter Leitung von Schwarzer und Armbruster, für Sven Frey steht zudem ein besonderer Reaktionstest auf dem Programm. Der Sendener Torwart bekommt eine mit Computern verbundene Brille aufgesetzt und wird mit Sensoren verkabelt in ein Tor an die Wand gestellt. In der Brille werden Videos von Siebenmeterwürfen abgespielt, Frey muss in die richtige Ecke reagieren. Der Torhüter des ASV löst die Aufgabe mit Bravour, hält weit über 50 Prozent der Strafwürfe. Überhaupt schlagen sich Frey und Clausing, die für den ASV in der B-Jugend-Oberliga spielen, wacker. Der Torwart kann sich mit vielen Paraden Aufmerksamkeit sichern, Linksaußen Clausing setzt sich mit dem nötigen Biss in Szene. An Tag vier muss Westfalen im Turnier gegen den HV Württemberg eine böse Niederlage einstecken. Von den Anstrengungen gezeichnet, steht für die Spieler nachmittags neben turnerischen Übungen noch ein Liegestütz- und Sit-Up-Wettbewerb bevor. Bei letzterem stellt ein Badener alle anderen Spieler in den Schatten, hält 18 Minuten lang durch und kommt auf 600 Sit-Ups - ein Beleg dafür, dass es sich wirklich um die sportliche Jugend-Elite handelt. Der HVW darf nach den überstandenen Tests als Dritter seiner Gruppe am Sonntag das Spiel um Platz fünf bestreiten, verkauft sich gegen den HV Südbaden teuer, auch wenn die Kräfte nicht mehr zum Sieg reichen. Bei den sportmotorischen Tests war Westfalen die drittbeste der zehn Mannschaften, ins Allstar-Team hat es kein westfälischer Handballer geschafft. Die Chancen auf eine Nominierung stehen deshalb auch für die Sendener schlecht, mitgenommen haben beide Spieler aber eine Menge aus dem fünftägigen Lehrgang, der sie zu noch mehr Trainingseinsatz beflügelt hat. Ob es für den Sprung ins Nationalteam gereicht hat, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Dann erhalten die gewählten Spieler einen Bescheid per Post. Sollte es nicht klappen, wäre das für Frey und Clausing kein Weltuntergang. VON MICHA SOMMER |